Aussichtswagen AB4 MOB - Wagi Museum Schlieren

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MOB AB4 75

Mit der Entwicklung und dem Bau des AB4 Nr.75 konnte die SWS im Jahre 1914 erstmals neue Wege im Bereich des Luxus-Reisezugwagenbaus einschlagen.



Seine Publikumspremiere konnte er im gleichen Jahr an der Landesausstellung 14 feiern. Bei diesem Wagentyp handelte es sich um einen vierachsigen Personenwagen I. und II. Klasse für die Montreux-Oberland-Bahn.

Entwicklung der Fenster als zentraler Bestandteil

Die Verwaltung der Montreux-Oberland-Bahn, die von jeher der Optimierung ihres Rollmaterials grosse Aufmerksamkeit widmete, hatte bei der Bestellung dieses Aussichtswagens damals es der SWS überlassen, praktische Neuerungen in der Fabrikation auszuführen.

Schlieren war nun bei dieser Aufgabe einer längst gehegten Absicht näher getreten, einen für normalen Betrieb geeigneten Aussichtswagen zu entwickeln. Die Ausarbeitung des Entwurfs erfolgte damals unter Mitwirkung des Architekten P. Birkenholz aus Zürich.

Wohl hatten die SWS Zeichner und Ingenieure für diesen Zweck bereits 1908 angefangen, die Fenster möglichst gross zu planen, allein Festigkeit und Handhabung hatten bisher als obere Grenze der Fenstergrösse 1,2 X 0,9m ergeben.

Um nun den Gedanken, möglichst grosse Fenster mit möglichst grossem Gesichtsfeld, zu verwirklichen, wurde hier eine erkerartige Fensteranordnung für jedes Abteil vorgesehen.

Aus den Zeichnungen und Bildern sind die beiden schiefstehenden, in Metallrahmen festgelagerten seitlichen Fensterflügel ersichtlich, sowie die mittlere bewegliche, rahmenlose Spiegelglas Scheibe.

Eine optimale Wirkung dieser dreiteiligen Fenster wurde nun dadurch erreicht, dass die metallenen Fensterpfosten so leicht dimensioniert waren, dass sie das Naturbild, das der ganze Fenstererker vom Sitzplatz aus gewährte, gar nicht beeinflusste, weil diese wesentlich schmäler als der Augenabstand, innerhalb der Sehstrahlen blieben.



Die Lichtbrechung der Gläser verjüngte ausserdem noch die Pfostenbreite auf etwa 42 mm, sodass der beabsichtigte Zweck praktisch zur einhundert Prozent erreicht wurde. Durch die Verwendung dieser „Glas-Erker" wurde das Gesichtsfeld in verblüffender Weise erweitert und ermöglichte dem am geschlossenen Fenster sitzenden Reisenden sowohl in der Fahrrichtung als rückwärts beinahe dem ganzen Zug entlang zu sehen.

Die Gesamtbreite des Glas-Erkers betrug bei Ablieferung 1,6 m, während die frühere grösste Fensterbreite 1,2 m betrug. Aber nicht nur in horizontaler, sondern auch in vertikaler Richtung wurde das Gesichtsfeld erweitert, indem man die früher übliche Fensterhöhe von 0,9 m auf 1,1 m erhöhte.

Dies ergab den Vorteil, dass selbst grosse Personen sich aufrecht unter das Fenster stellen konnten, während anderseits die niedrige Fensterbrüstung es dem Reisenden ermöglichte auch sitzend steil hinunter zu schauen.

Man konnte also ohne Mühe tiefere Schluchten wie naheliegende hohe Bergspitzen während der Fahrt optimal betrachten. Zum Schutze gegen Sonnenstrahlen wurden dreiteilige Rollvorhänge angebracht. Nebenbei sei noch auf die originelle Lösung der Fenstergriffe aufmerksam gemacht, die es gestattete, die Führungsnuten der Rollvorhänge dicht an die Fensterscheiben zu legen.

Innenraum & Abteile

Der Wagen bestand aus einem Abteil I. Klasse mit 18 Sitzplätzen einem Klosettraum, einem Waschraum und einem Abteil II. Klasse, ebenfalls mit 18 Sitzplätzen. Die trennenden Armlehnen der Doppelsitze waren scharnierartig als Pendelstützen seitlich beweglich, sodass ein Platzausgleich zwischen starken und weniger starken Personen ermöglicht wurde.



Sämtliche Räume waren in architektonischer Hinsicht dem Geschmack der Reisenden angepasst. Die beiden Personenabteile wichen in der Farbenwirkung wesentlich von einander ab.

Die I. Klasse war in poliertem Pyramiden Mahagoniholz mit kassettierter Decke und Schnitzereien gehalten, während die II. Klasse in amerikanischem Nussbaum mit elegant gemalter glatter Decke ausgeführt wurde.

Die Beschläge in Goldbronze waren einheitlich durchgeführt und dem Ganzen angepasst, ebenso der Bodenteppich und die Fenstervorhänge.



Die Sitze waren mit geschmackvollen Überzügen aus schweren Gobelin- und Moquettestoffen versehen. Unter Weglassung der üblichen Ohrenbacken waren sie fest an die Seitenwände angeschlossen, um so den Platz, den das Einziehen der Erker-Seitenfenster erfordert zu gewinnen.

Die Höhe der Rückenpolster wurde niedrig gehalten, damit auch Damen mit aufgesetzten Hüten sich bequem anlehnen konnten. Um jedem einzelnen Unterabteil einen wohnlichen, für sich mehr abgeschlossenen Charakter zu geben und auch gleichzeitig die Reisenden vor Zugluft zu schützen, hatte man die Rücklehnen etwas erhöht. Diese sind durch St. Galler Stickereien unter Glas in angenehmer Abwechslung geziert worden.

Man versuchte damit die geschmackvollen und künstlerischen Erzeugnisse einer grossen schweizerischen Industrie zur Geltung zu bringen. Den Abschluss der Zwischenwände nach oben bildeten leichte Gepäckträger, die bequem zu erreichen waren, ohne die Wirkung der Decke zu stören. Die niedrige Fensterbrüstung war als festes, geschweiftes Tischchen ausgebildet.

Die Heizung war elektrisch und es befand sich unter jedem Sitz ein Heizkörper, System „Hydroterm", von dem aus die Wärme durch gelochte Messingbleche gleichmässig in den Raum ausströmte; die Heizung konnte auf halben und ganzen Effekt eingeschaltet werden.

Die Sitze waren mittels dieser perforierten Messingbleche vollkommen an den Fussboden angeschlossen, sodass keine Fremdkörper unter diese gelangen konnten. Die elektrische Beleuchtung war in bronzenen Lampenkörpern mit reich geschliffenen Gläsern in die Decke eingebaut.

Zur Erzielung einer guten Lüftung wurde die frische Luft von der Stirnseite der Abteile durch Metallsiebe durchgeführt und in der Wagenmitte von einem kräftigen Ventilator abgesogen. Die Lüftungsgitter waren gegen das Wageninnere durch gediegenes Holzschnitzwerk verdeckt.

Besondere Sorgfalt wurde auf die Ausstattung des Aborts und des Waschraums in Wagenmitte verwendet. Die Wasserbehälter waren in glatten Formen durch Blech mit weissem Ripolin-Anstrich verschalt und bildeten gleichzeitig eine Wandnische der betreffenden Abteilung.

Eine besondere Lichtwirkung wurde durch die bunte Kunstverglasung der Fenster erzielt, wobei im Waschraum der Spiegel in die Mitte des Fensters direkt eingefügt wurde. Becken und Schüssel aus weissem Feuerton und vernickelte Messingbeschläge trugen zum gediegenen Eindruck auch dieser Räume bei.

Der Klosettraum konnte geheizt werden. Die den Personen-Abteilen vorgelagerten, geschlossenen Einsteige-Plattformen waren mit breiten, geräucherten Eichenholzflächen ausgekleidet und in gleicher Weise beleuchtet wie das Innere des Wagens.

Wagenkasten & Türen

Die seitlichen Einsteigtüren waren zweiflügelig gebaut und zwar mit ungleich breiten Flügeln, sodass beide auch in der schärfsten Bahnkrümmung innerhalb des Umgrenzungsprofils der meterspurigen MOB blieben.

Eine höchst einfache Hebelkupplung der beiden Türflügel ermöglichte ein müheloses Öffnen und Schliessen der Türen durch eine einzige gewöhnliche Türklinke. Die Stirnwände des Wagens trugen Faltenbälge, wie sie ähnlich bei Normalbahnen und auch erstmalig bei der Rhätischen Bahn eingeführt wurden.



Die Bälge waren mit Rücksicht auf den Seitenausschlag der Uebergangsbleche nach unten offen. Die Abfederung des Kastens gegenüber den Laufrädern war mittels Achsbüchsfedern und gefederter Wiege eine doppelte. Die Achsbüchsen waren Kugellager der Firma Schmid-Roost, Oerlikon.

Die Hauptabmessungen des Wagens betrugen:
LüP: 15,55m
Kastenlänge: 14,55m
Kastenbreite: 2,68 m,
Länge eines Unterabteils: I. Kl. 2,01m und II. Kl. 1,89m
Dienstgewicht: 18t
Sitzplätze: 36
Spurweite: 1000mm
Aufbau: Holzkasten (Verblecht)
Heizung: System Hydroterm
Luftsaugbremse: Hardy
Bremsgestänge: Zehnder

 
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