Lehrlingstreffen 2015 - Wagi Museum Schlieren

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Treffen ehemaliger in der Wagi Schlieren

Rund 30 Jahre nach Schliessung der Wagi trafen sich am 09. Mai 2015 ehemalige Lehrlinge des einstigen Traditions-betriebs. Vor fast genau 32 Jahren, am 16. Mai 1983, wurde die Schliessung der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren bekannt gegeben.



Die Ankündigung war ein Schock für die Angestellten des stolzen Limmattaler Industriebetriebs, der seit Ende des 19. Jahrhunderts Tausende Güter- und Personenwagen, Aufzugsanlagen, und Spezialteile produzierte und neben den SBB auch zahlreiche Privat- und Strassenbahnen sowie auch die indische Staatsbahn beliefert hatte.

Zwei Jahre später, im Frühling 1985, gehörte die Wagi der Vergangenheit an und mit ihr Hunderte von Arbeitsplätzen und Lehrstellen. «Das war eine strube Zeit», erinnert sich Urs Stolz am damaligen Treffen ehemaliger Lehrlinge und Mitarbeiter im Restaurant Enjoy in Schlieren. Rund 60 Ehemalige sind ins Lokal auf dem Wagi-Areal gekommen, um frühere Arbeitskollegen zu treffen und alte Geschichten auszutauschen. «Die Wagi war dazumal der Arbeitgeber schlechthin im Limmattal», sagt Stolz. Teilweise hätten drei Generationen einer Familie gleichzeitig in der Firma gearbeitet. «Die Schliessung des Betriebs war für diese Familien besonders schwierig.» .

Der 72-jährige Stolz weiss, wovon er spricht. Nach einer Lehre als Maschinenzeichner machte er bei der Wagi Karriere: Er leitete erst die interne Zeichnerschule, dann die gesamte Lehrlingsabteilung. Später stieg er zum Personalleiter auf, 1981 wurde er in die Geschäftsleitung berufen - zwei Jahre bevor das Ende der Wagi feststand.

Als Mitglied der Geschäftsleitung und ehemaliger Personalchef begleitete Stolz den Schliessungs- und Entlassungsprozess eng. Zwei intensive Jahre lang, in denen er schlaflose Nächte gehabt habe. «Wir mussten für 700 Leute eine neue Stelle finden.» Zusammen mit seinem Team hat Stolz Zeitungen nach Stelleninseraten durchforstet, Bewerbungskurse angeboten und einige Mitarbeiter gar ans Vorstellungsgespräch begleitet. Letztlich hätten bis auf einen alle Wagi-Mitarbeiter, die nicht in Frühpension gegangen seien, bei anderen Betrieben eine neue Anstellung gefunden.

Die Schliessung der Werkstore forderte trotzdem ihre Opfer. «Einer der Angestellten brachte sich um zwei weitere starben den Sekundentod am Arbeitsplatz», erzählt Stolz. Er habe aber auch schöne Erinnerungen an die letzten Tage der Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren. «Der Zusammenhalt und die Solidarität für den Betrieb blieben trotz der schwierigen Situation gross.» Dieser Zusammenhalt ist auch am Treffen der ehemaligen Lehrlinge zu spüren: Die Stimmung ist gelassen, die Gespräche wirken vertraut und versöhnlich. Auch wenn eine der wenigen anwesenden Frauen Urs Stolz halb im Scherz als "den bösen Chef" begrüsst, der "immer so zackig" gewesen sei.

Vom ältesten ehemaligen "Wagianer" der an jenem Freitag anwesend war, erhielt Urs Stolz hingegen viel Lob. «Was er vor der Schliessung für die Mitarbeiter geleistet hat, war einmalig», sagt der 85-jährige Viktor Hüsser, der in den 1940er-Jahren die Lehre bei der Wagi gemacht und dem Betrieb bis zu dessen Ende treu geblieben ist.

Mit 54 Jahren musste Victor Hüsser noch einmal von vorne anfangen. «Das war anfangs schon ein Schreck.» Doch für ihn habe es damals, als Vater eines kleinen Nachzüglers, nur eines gegeben: «Nicht zurückschauen, nur nach vorne.» Hüsser übernahm die Speditionsleitung bei der Elektronikfirma Sony, die sich wenige Jahre zuvor in Schlieren angesiedelt hatte. «Das war eine tolle Herausforderung für mich», sagt der rüstige Rentner.

Auch wenn der Anblick von so vielen Kartonschachteln im Sony-Lager für ihn als Eisenbähnler etwas gewöhnungsbedürftig gewesen sei. Von seinem neuen Arbeitsplatz aus konnte Hüsser dabei zusehen, wie die meisten Produktionshallen der Wagi dem Erdboden gleichgemacht wurden. «Das hat schon wehgetan.» Trotzdem sei die Schliessung der richtige Entscheid gewesen. «Heute blüht das Areal, viele neue Arbeitsplätze sind hier entstanden.»

Quelle & Bilder: Tobias Hänni


Mit freundlicher Unterstützung

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